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Manager ohne Moral: Experten diskutierten über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmern

Die alte Gleichung von Ludwig Erhard „Geht es der Wirtschaft gut, geht es auch den Menschen gut“ ist heute durch die Wendung „Je besser es der Wirtschaft geht, desto schlechter geht es mir“, abgelöst, betonte NDR-Redakteurin Julia Salden zur Eröffnung der Veranstaltung. Die Moderatorin Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Staatssekretärin a.D. und Vorsitzende der Aktion Gemeinsinn, zitierte aus einer Studie, dass von 1.200 Führungskräften nur noch fünf Prozent an ihre eigene Vertrauenswürdig-keit glaubten.

Anschließend kam es zu einer Diskussion der sechs Podiumsgäste aus Unternehmen, Kirche, Handelskammer und Gewerkschaft. Dr. Dorothea Giesecke-Kuppe von der Wilkhahn Wilkening + Hahne GmbH & Co. KG wies darauf hin, dass die in der öffentlich kritisierte mangelnde Moral auf die Mehrzahl der deutschen, vor allemmittelständischen Unternehmen nicht zuträfe. Dies unterstrich auch Dr. Günther Klemm, Syndikus der Handelskammer Hamburg: „Die Managergehälter sind nicht das Problem: Wer Erfolg hat, kann ruhig ver­dienen, was die Aktionäre ihm bereitstellen. Diskussionswürdig dagegen sind die viel zu hohen Abfindungen bei Misserfolgen.“ Auch für Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation der Otto Group, sind nicht die Managergehälter der Knackpunkt, sondern dass „die Menschen nicht die Möglichkeit zur Teilhabe haben“.

Peter Hlawaty, Bezirkssekretär der IG Metall Küste, betonte, Wettbewerbsfähigkeit dürfe nicht heißen, dass Gesetze und Verträge unterlaufen werden und dass kriminell gehandelt werde: „Wettbewerbsfähigkeit muss auch Gleichheit der Mittel bedeuten.“ Wenig Verständ­nis für die öffentliche Diskussion äußerte Bernhard Bertram, Geschäftsführer des Hamburger Fernsehsenders Hamburg 1: Die Politik nehme das Thema nur deshalb auf, weil es ihr an anderen interessanten Themen fehle. „Wir haben einen funktionierenden Rechtsstaat und eine wache Presselandschaft, die kriminelle Machenschaften aufdecken und verurteilen.“

In den Augen von Björn Kranefuß, Leiter des Nordelbischen Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, besteht eine Unsicherheit, wem man noch vertrauen könne. Deshalb forderte Kranefuß Regeln und vereinfachte Strukturen, die langfristig bestehen, um das Vertrauen wiederherzustellen.